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Alida Maria Laura Altenburger
Baroness von Marckenstein und Frauenberg
Die Familien aus Istrien und Trento Die Vorfahren von Alida Valli, die Barone Altenburger von Marckenstein und Frauenberg sind seit dem 17. Jahrhundert in Trento/Trient in Südtirol ansässig gewesen. Ursprünglich stammte die adlige Familie aus Rottemburg in Tirol, wo sie schon im 16. Jahrhundert Senatoren und Bürgermeister stellte. Im 18. Jahrhundert wurden sie von Kaiser Josef II zu Baronen des Heiligen Römischen Reiches erhoben. Baron Pietro Altenburger heiratete die Gräfin Teresa d'Arco. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts bewohnte die Familie den luxuriösen Palazzo Firmian-Altenburger, wo auch der Vater von Alida Valli, Gino Altenburger als Sohn von Luigi Altenburger und Elisa Tomasi geboren wurde. Trotz des deutschen Namens und der zeitweise Zugehörigkeit der Region zu Österreich, bezeichnen sich die trientinischen Altenburger als Italiener. Sie sind mit den ansässigen Familien aus dem Trentino, aus Venezien und aus der Lombardei verwandt, unter anderem mit den d'Arco, den Castelbarco (über diese auch mit Visconti), den Thun (mit Friedrich Thun drehte Alida Valli 1999 den TV film 'Vino Santo'), den Ceschi a Santa Croce oder den Gerloni und den Tomasi aus Trento und über letztere mit dem römischen Senator Ettore Tolomei, bei dessen Familie Alida Valli wohnte, als sie ihre Filmkarriere in Rom begann. Als Kind verbrachte sie einige Sommerferien bei ihrer Großmutter Elisa Tomasi auf dessen Landsitz in Gleno. Eine Linie der Barone Altenburger lebt heute auf Schloss Aschach bei Innsbruck. Die Familie war multikulturell und zweisprachig. Baron Gino Altenburger, der Vater von Alida Valli, studierte in Wien Philosphie und Geschichte. Anschließend lehrte er in Pola in Istrien (ehem. Österreich, dann Italien) am italienischen Gymnasium 'Giosuè Carducci' und war Musikkritiker der Zeitschrift 'Corriere Istriano'. Sein Bruder Danilo war zeitweise Lehrer in Zara (Dalmatien, ehem. Italien), später in Bozen/Bolzano.
Als die italienische Mutter von Alida Valli, Silvia Obrekar (Oberecker), in der Hafenstadt Pola in Istrien geboren wurde, bildete das ursprünglich venezianische Istrien zusammen mit Triest und Görz/Gorizia (Friaul) das neugegründete österreichische 'Küstenland', das direkt der kaiserlichen Krone in Wien unterstand. Pola war zum Hauptkriegshafen des Kaiser und Königreichs Österreich-Ungarn ausgebaut worden, während das nahe Triest der Haupthandelshafen von Österreich war. Berühmt wurde der Landstrich allerdings als die 'österreichische Riviera', an die angesehene Gäste aus Europa und Übersee kamen, Geschäftsleute, Industrielle, hohe Beamte und Offiziere, Staatsmänner und Künstler sowie gekrönte Häupter und nahezu alle Mitglieder des österreichischen Kaiserhauses wie z.B die Erzherzogin Maria Josepha, die Mutter des letzten österreichisch- ungarischen Kaiserkönigs Karl, die einen Großteil des Jahres auf der Insel Brioni vor Pola zu Gast war. Die Mutter von Silvia ist Virginia della Martina, ebenfalls in Pola geboren und italienische Patriotin aus altansässigen, bis ins Mittelalter zurückführenden istrianischen Familien, teils französischen Ursprungs wie die de Franza aus Pinguente und Capodistria. Dessen Bruder Rodolfo war ein Freund des italienischen Nationaldichters Gabriele d'Annunzio, der Patenonkel von Rodolfos Tochter Gabriella war. Der Vater von Silvia ist der deutschstämmige Österreicher Felix Oberecker aus Laibach. Ihr Bruder Ezio war Richter in Bozen in Südtirol und ein von Alida Valli geschätzter und verehrter Onkel, den sie oft um Rat bat. Silvia besuchte das deutsche Gymnasium in Pola und für kurze Zeit die deutsche Schule und das Konservatorium in Laibach in der Krain. Sie wollte Pianistin werden und arbeitete später als Musiklehrerin. Sie war zweisprachig bzw. dreisprachig aufgewachsen: italienisch, deutsch und als eigentliche Muttersprache beherrschte sie den istrianisch-venezianischen Dialekt (venezianisch ist eigentlich eine eigenständige Sprache und kommt dem französischen Nahe), den sie auch daheim mit ihrer Tochter Alida gesprochen hatte. So empfing Alida Valli Mitte der neunziger Jahre Journalisten im Teatro Carcano in Mailand in diesem traditionellen istrianischen Dialekt: "Ma cossa la vol ancor saver de mi?"
Alida 'Valli' Altenburger wurde, wie ihre Mutter, in Pola geboren, dann Hauptstadt der Provinz Istrien des Königreichs Italien. Sie besuchte die italienische Schule 'Dante Alighieri' und wuchs in einem cosmopoliten Elternhaus und multikulturellen Ambiente auf. In Pola lebten in großer Mehrheit Italiener, aber auch Österreicher, Ungarn und Jugoslawen, Offiziere und Emigranten der ehemaligen österreichischen k.u.k. Monarchie. Neben italienisch sprach man immer noch wienerisch in Polas Straßen. Obwohl ihre Mutter sie anhielt deutsch zu lernen, spricht Alida Valli es kaum. Immerhin, als Schauspielerin rezitierte sie fließend in vier Sprachen: italienisch, französisch, englisch und spanisch. Ende der zwanziger Jahre zog die Familie in das ruhigere Como am Lago Maggiore, wo Alida Valli bis 1936 lebte, als sie nach Rom aufbrach, um Schauspielunterricht zu nehmen. Alida Valli hatte ihre Heimatstadt Pola
und
die Verwandten noch einmal 1941 besucht, danach hielten sie die Kriegsereignisse
davon ab. Während sie auf dem Weg nach Hollywood war, begann der Exodus
der Bevölkerung von Pola in die Freie Stadt Triest, da Pola im Februar 1947 von jugoslawischen Truppen besetzt
wurde (über die
Ereignisse in Pola wurde der Film 'La città dolente' gedreht,
bei dem Federico Fellini Regieassistent war und über die in
Triest der Film 'Corriere Diplomatico' mit Hildegard Kneff). Alida
Valli hat Pola nicht mehr aufgesucht und als schöne Kindheitserinnerung, wie sie selbst über
Vergangenes sagte, "archiviert". Die
cosmopolite Schauspielerin bezeichnete sich selbst stets als Istrianerin und Italienerin mit
mitteleuropäischen Wurzeln. Wenige Tage for ihrem Tod gab sie
Journalisten ein telefonisches Interview und stellte fest: "Sono
nata italiana e morirò italiana. Scrivetelo sulla mia tomba"
(Ich wurde geboren als Italienerin und ich werde sterben als Italienerin.
Schreibt es auf meinen Grabstein).
Foto |
alidavalli.net
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2003 - 2006